Die Grünen nach Südtirol!

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Ich liebe meine Heimat
Bis in alle Ewigkeit.
Keine Ader soll mir schlagen,
Wo ich nicht für Dich bereit.
Viel zu schnell vergeh’n die Stunden,
Aber keiner denkt daran,
Daß am Anfang aller Träume
Nur die Heimat stehen kann.

Nein, das ist nicht der Beginn eines dunkeldeutschen Rechtsrockliedes. Es handelt sich um den Refrain eines bekannten Stücks der Kastelruther Spatzen. Die nach der nördlich von Bozen gelegenen Gemeinde benannte Band zählt mit über 15 Millionen verkauften Tonträgern zu den erfolgreichsten Volksmusikgruppen. Niemand käme auf die Idee, sie als rechts, antisemitisch oder völkisch zu bezeichnen. Jedenfalls noch nicht.

Genau das passiert aber regelmäßig den Deutschrockern von Frei.Wild. Die Bremer Bürgerschaftsabgeordnete Kai Wargalla erntete diese Woche den Applaus ihrer kleinen Fanblase, indem sie dazu aufrief, künftig Auftritte „rechtspopulistischer“ Bands wie Frei.Wild in Bremen zu verhindern. Warum das Quartett aus Brixen antisemitisch und völkisch sein soll, begründete Wargalla nicht.

In einem Interview mit der taz argumentierte die 33jährige in der für die Grünen ganz eigentümlichen Logik wie folgt für das Auftrittsverbot:

taz: Es müßte aber eine städtische Stelle sein. Haben Sie keine Angst, einen Präzedenzfall zu schaffen?

Wargalla: Wofür? Dafür, daß keine Nazi-Bands auftreten?

Es könnte ja auch einer sagen, eine linke Krawallband wie Slime darf nicht auftreten.

Aber Slime vertritt keine nationalistischen, antisemitischen Inhalte.

Man müßte wohl nicht lange darauf warten, daß auch jemand, der den Kommunismus verherrlicht, nicht mehr auftreten darf.

Aber darum geht es doch überhaupt nicht. Das ist doch etwas ganz anderes: Wir haben eine Diskursverschiebung in Deutschland nach rechts, und die fängt nicht mit der AfD an, sondern viel früher, etwa bei solchen Grauzonen-Bands, die Unsagbares sagbar machen; die antisemitische Symbole verwenden und deren Fans das nicht mal zugeben wollen.

Ich höre Frei.Wild, seitdem es Frei.Wild gibt. Antisemitische Texte oder Symbole habe ich bislang nicht entdecken können. Von Nationalismus kann keine Rede sein. Klar, wer die Geschichte Südtirols kennt, weiß, wohin Nationalismus führen kann und warum die Jungs um Philipp Burger sogar dagegen ansingen. Von der Tochter einer Bremischen Bürgerschaftsabgeordneten erwarte ich nicht, daß sie sich mit der Geschichte unseres kleinen Landes auskennt.

 

Aber bevor eine Berufspolitikerin wie sie der Grünen liebster Beschäftigung, nämlich dem Verbieten, nachgeht, erwarte ich, daß sie sich zumindest mal mit den Dingen befaßt, die sie aus ihrem tiefroten Bundesland verbannen will. Deshalb mache ich der Bremer Grünen-Chefin ein Angebot: Liebe Frau Wargalla, ich lade Sie herzlich zwecks Abbau von Vorurteilen zu einem Urlaub in Südtirol ein – am besten in Brixen oder in den Dolomiten.

Ich würde mit Ihnen ins Tirol Panorama am Bergisel gehen und Ihnen die Geschichte Tirols bis zum Ersten Weltkrieg erzählen. Im Bellum Aquilarum in Sexten die Überbleibsel des erbitterten Stellungskrieges in den Dolomiten bestaunen. Ihnen in Bozen die architektonischen Verbrechen der Faschisten zeigen und Ihnen die für Südtirol schreckliche Zeit von 1922 bis 1946 näherzubringen versuchen.

Ich würde mit Ihnen im „Land der tausend Berge“ mindestens einen Gipfel erklimmen. Ihnen die einzigartige und widersprüchliche Schönheit Südtirols zeigen. An der Bozner Weinstraße einen Lagrein mit Ihnen trinken und Speck, Käse und Schüttelbrot dazu essen. Mit Ihnen einer Prozession samt Schützenaufmarsch und Musikkapelle beiwohnen.

 

Ihnen in den Meraner Lauben zeigen, daß es sich im Heil’gen Land genauso gut einkaufen läßt wie in der Bremer City. Ihnen in einem Restaurant erklären, warum kulturelle Vielfalt langsam wachsen muß, wenn sie länger bestehen bleiben soll als eine Legislaturperiode. Auf einer zünftigen Almhütte mit Ihnen darüber sprechen, warum klassische Familien nicht bekämpft werden sollten. Und so weiter und so fort.

Es gibt keine bekannte Volksmusikgruppe aus Tirol, die nicht Heimat, Glauben und Tradition besingt. Wie es der Zufall will, haben Frei.Wild erst vor wenigen Tagen ein weiteres patriotisches Lied als Single veröffentlicht. „Echte Männer stehen zu ihrem Land“, singen die Tiroler (so bezeichnen sie sich in dem Stück) darin.

Und die Grünen? Bei ihnen tut sich nicht viel. Erst im Herbst hatten sie parteiintern über Heimat gestritten. Was aus meiner Sicht Heimat ist, versuchte ich damals zu erklären. Daß Heimat mehr ist als linker Kiezpatriotismus oder angeblich rechtes „Deutschland den Deutschen“-Geplärre, kommt den meisten Vertretern der ökosozialistischen Verbotspartei nicht in den Sinn. Es wird Zeit, daß sich das ändert. Frau Wargalla, nehmen Sie meine Einladung an?

 

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Author: Lukas Steinwandter

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3 Kommentare

  1. Dann kannst du Ihr auch mal den R&K Store in Brixen zeigen. Vielleicht ist die Band (oder Teile davon) dann zufällig auch da und dann kann sie sich ein Bild von den Jungs machen. 😉

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    • Das böte sich natürlich an. Vielleicht hat Frau Wargalla aber auch einfach Angst, ihr Weltbild könnte bröckeln.

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  2. Leider wage ich zu bezweifeln, dass sie zusagt. Die wahren Intoleranten sind heute die ständig Toleranz predigen.

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